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Nachruf auf Prof. Dr. Peter Speth

Die Universität zu Köln und das Institut für Geophysik und Meteorologie trauern um Prof. Dr. Peter Speth, der im Alter von 86 Jahren am 10. Juni 2026 verstorben ist.

Die Universität zu Köln und das Institut für Geophysik und Meteorologie trauern um Prof. Dr. Peter Speth, der im Alter von 86 Jahren am 10. Juni 2026 verstorben ist. Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler, einen engagierten Hochschullehrer und eine prägende Persönlichkeit, welche die Meteorologie in Deutschland und an der Universität zu Köln über nahezu drei Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet hat.

 

Geboren am 10. Oktober 1939 in Berlin, führte ihn seine akademische Laufbahn an die Universität zu Kiel, wo er bei dem renommierten Pionier der Ozean-Atmosphären-Wechselwirkung, Prof. Dr. Friedrich Defant, promovierte (1966-1969) und habilitierte (1974). Diese Zeit legte den Grundstein für sein späteres wissenschaftliches Schaffen.

 

Im Januar 1978 folgte er dem Ruf auf die Professur für Meteorologie an die Universität zu Köln – und blieb ihr bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 verbunden. Über viele Jahre hinweg war er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geophysik und Meteorologie und prägte dessen wissenschaftliche Ausrichtung sowie organisatorische Struktur maßgeblich.

 

Von 1993 bis 1997 amtierte er als Prorektor der Universität zu Köln, ab 1994 als Erster Prorektor – zuständig für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Der von ihm 1997 vorgelegte Forschungsbericht 1994/95, der ca. 3000 Forschungsvorhaben mit mehr als 10.000 Publikationen dokumentierte, ist ein beeindruckendes Zeugnis dieser Zeit und der damaligen Forschungsleistung der Universität.

 

Sein wissenschaftliches Werk umspannte ein breites Spektrum, wie es heutzutage selten ist:

  • Austauschprozesse zwischen der atmosphärischen Grenzschicht und der freien Troposphäre,

  • den Ozonhaushalt der Atmosphäre,

  • die Tropopausen-Dynamik und den stratosphärischen Ozoneintrag in die untere Troposphäre,

  • grundlegende Beiträge zur Theorie, etwa zum Energiezyklus der Atmosphäre und zu atmosphärischen Eigenmoden wie der Madden-Julian-Oszillation, und

  • anthropogene Klimamodifikation.

Seine Arbeiten fanden weite internationale Beachtung und erweiterten das Verständnis komplexer atmosphärischer Prozesse wesentlich.

 

Prof. Speth war eine Persönlichkeit mit ausgeprägten wissenschaftlichen Führungsqualitäten. Er trieb als Sprecher den SFB 419 „Umweltprobleme eines industriellen Ballungsraumes: Naturwissenschaftliche Lösungsstrategien und sozio-ökonomische Implikationen” (1998-2002) maßgeblich voran – ein interdisziplinäres Vorhaben, das über Fachgrenzen hinweg von der Arbeitsmedizin über die Botanik bis hin zur Rechtswissenschaft Lösungen für Nordrhein-Westfalen erarbeitete. Ebenso engagiert initiierte er das vom damaligen BMBF geförderte Projekt IMPETUS (2000–2011) zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in Westafrika. Dieses vereinte natur-, sozial- und medizinwissenschaftliche Perspektiven und machte die Bedeutung seiner Forschung weit über die Meteorologie hinaus sichtbar. Die Ergebnisse sind in einer vielbeachteten Buchpublikation dokumentiert, bei der Prof. Speth einer der drei Herausgeber war. Zudem war diese Aktivität prägend für die Entwicklung der interdisziplinären Forschungskultur an der Universität zu Köln.

 

Prof. Speth war ein Wissenschaftler mit Vision. Als in den frühen 1980er Jahren unter der Leitung des späteren Nobelpreisträgers Professor Hasselmann am Max-Planck-Institut für Meteorologie die ersten Projekte zur Klimamodellierung installiert wurden, war Prof. Speth mit seiner Arbeitsgruppe von Beginn an dabei. Viele seiner Studenten erhielten so die Möglichkeit, am Deutschen Klimarechenzentrum (DKRZ), dem er auch als Beirat diente, auf den Supercomputern frühe Erfahrungen zu sammeln und Klimadiagnoseverfahren zu entwickeln – eine Erfahrung, die ganze Jahrgänge von Studierenden für dieses Forschungsfeld begeisterte und prägte. In der akademischen Lehre erkannte er früh die grundlegende Bedeutung der Datenassimilation und der Computerwissenschaften für die Verbesserung der synoptischen Wettervorhersage. Das Institut für Geophysik und Meteorologie widmete diesem Thema daher schon sehr früh eine eigene Vorlesung und konnte inzwischen auch eine eigene Professur einrichten.

 

Zu seinen bleibenden Verdiensten zählt die Initiative zur Einrichtung des International Master of Environmental Sciences(IMES), ein 2003 in Nordrhein-Westfalen neu geschaffener, englischsprachiger interdisziplinärer Studiengang, den er bis zuletzt begleitete und der inzwischen an der Universität zu Köln erfolgreich floriert.

 

Kollegen sowie ehemalige Doktoranden schätzen ihn als fördernden, zugänglichen und fachlich herausragenden Betreuer, der seinen Studierenden Freiräume zur eigenen Entwicklung gab, sie aber zugleich mit hohem wissenschaftlichem Anspruch forderte. Aus seiner Schule gingen zahlreiche Professorinnen und Professoren hervor, die sein wissenschaftliches Erbe in die nächste Generation tragen.

 

International war er hervorragend vernetzt – unter anderem mit Roland A. Madden, Harry van Loon und Dayton Vincent, mit denen er über viele Jahre hinweg eng zusammenarbeitete. Im Februar 2005 wurde Prof. Speth im Rahmen eines Abschiedskolloquiums in den Ruhestand verabschiedet. Der damalige Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Tassilo Küpper und der designierte Rektor Prof. Dr. Axel Freimuth würdigten sein Wirken. Die Laudatio hielt Prof. Dr. A. Ebel, Festvorträge von Prof. Dr. M. Hantel, Prof. Dr. R. Madden und Prof. Dr. D. Vincent unterstrichen die hohe Wertschätzung, die er in der nationalen und internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft genoss.

 

Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2005 blieb er aktiv: Er hielt weiterhin Vorlesungen für internationale Studierende und setzte sich leidenschaftlich für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit in Klima- und Erneuerbarer Energie ein. Im Jahr 2025 besuchte er letztmals, zwar auf eine Gehilfe angewiesen, aber mit ungebrochenem Interesse das Institut. 

 

Das wissenschaftliche Erbe von Herrn Speth lebt an der Universität zu Köln und am Institut für Geophysik und Meteorologie weiter und wird hier aktiv fortgeführt. Sein Andenken bleibt in dankbarer Erinnerung.